Die luxemburgische Vereinigung der Heilpädagogen

Die Entwicklung der Heilpädagogik in Luxemburg

Vor 150 Jahren entwickelte sich die Heilpädagogik zur eigenständigen Fachdisziplin. Dabei lag sie lange im Spannungsfeld zwischen Medizin, Theologie, Psychologie und Pädagogik.

In Ungarn enstand vor zirka hundert Jahren die erste Hochschule für Heilpädagogik. An der Universität Zürich wurde 1924 der erste Lehrstuhl für Heilpädagogik mit Heinrich Hanselmann besetzt. Die Universität Fribourg (CH) schuf 10 Jahre später einen neuen Lehrstuhl für Pädagogik und Heilpädagogik in deutscher Sprache. 1948 wurde das Heilpädagogische Seminar der Universität Fribourg zum selbständigen Lehr- und Forschungsinstitut benannt.

An diesem Heilpädagogischen Seminar der Universität Miséricorde studierten die ersten Luxemburger Heilpädagogen, allen voran Pater Robert A. Koullen, Gründer des Jongenheem in Bettingen an der Mess. 1950 erschien seine Diplomarbeit zum Thema: „Etude sur l’emploi du test de Binet-Simon-Norden auprès des garçons de 14 ans“.

In den darauffolgenden Jahren studierten Schwestern verschiedener Kongregationen in Fribourg: Schwestern vom armen Kinde Jesu aus dem Institut in Rümelingen, Schwestern der hl. Elisabeth aus dem Institut St. Joseph aus Betzdorf und Schwestern der christlichen Lehre (doctrine crétienne), die das Mädchenheim zuerst in Feulen, später dann in Schrassig führten. Schwester Willibrorda Kremer war lange Jahre Direktorin und ermöglichte Studenten der Heilpädagogik ein Praktikum.

In den sechziger Jahren des letzen Jahrhunderts ließen sich dann auch Laien zum Heilpädagogen ausbilden.

Die Geschichte der Vereinigung

Die Association Luxembourgoise des Pédagogues Curatifs ALPC wurde im Jahre 1980 von sehr jungen Heilpädagoginnen gegründet. Gründungspräsidentin war Berty Hoffmann-Berns. Größtes Anliegen der jungen Vereinigung war die offizielle Anerkennung des Berufes und des Studiums.

Bereits im Jahre 1981 gründete die ALPC eine neue Vereinigung: den heilpädagogischen Frühförderungsdienst, Service d’Intervention Précoce Orthopédagogique, heute als SIPO bekannt. Dieser Dienst, dessen Autonomie sich sehr schnell entwickelte, ermöglichte der Heilpädagogik als Disziplin und als Berufsbild sichtbar zu werden.

Auf Berty Hoffmann-Berns folgte Annette Hildgen-Reuter als Präsidentin. Sie war darauf bedacht, Heilpädagogen in offizielle Arbeitsgruppen einzubringen, zum Europäischen Jahr der Familie oder des dritten Alters, zur Schaffung der Classes précoces und zu Integrationsfragen.

Die dritte Präsidentin im Amt, Evelyne Weis-Weber, ermöglichte der ALPC die europäische Angliederung. So wurde 2005 in Ulm, am Rande des europäischen Kongresses für Heilpädagogik, die „Internationale Gesellschaft heilpädagogischer Berufs- und Fachverbände“, die IGhB, gegründet. Gründungsländer waren neben Luxemburg, die Schweiz, Deutschland und Oesterreich. Zweimal jährlich findet ein Arbeitstreffen statt. Austauschmöglichkeiten, ein kritischer professionneller Umgang, und die Wertschätzung der heilpädagogischen Vereinigungen stehen bei diesen Treffen auf der Tagesordnung.

Zum 30ten Geburtstag entschied die ALPC sich intensiver mit ihren Mitgliedern und ihrem respektiven Arbeitsfeld zu beschäftigen. So entstand die Idee, den Kollegen die eigenen Arbeitsbereiche näher vorzustellen. Diese Treffen, FORUM HEILPAEDAGOGIK genannt, spiegeln die unwahrscheinlich große Vielfalt der Arbeits- und Verantwortungsbereiche wieder. Da diese auf großes Interesse stoßen, wird es im Jahr 2011 weitere Termine geben.

Ausblick

Weder der Beruf noch die Vereinigung haben bei jungen Menschen an Interesse verloren. Das zeigen die zahlreichen Anfragen nach Studien- und Berufsmöglichkeiten. Der Arbeitsmarkt ist beständig auf der Suche nach engagierten und gut ausgebildeten Professionnellen. Ja, ich traue mich fast nicht mehr „Heilpädagogen“ zu schreiben, denn viele Universitäten wechseln die Studienbezeichnungen. So gibt es zur Zeit das Studium der Integrationspädagogik, der Inklusionspädagogik, der Rehabilitationspädagogik, der Orthopädagogik...etc.

Ich denke dies sind „Modebegriffe“ die mit sozialen und politischen Anschauungen dahergehen, sie werden in kurzer Zeit durch neue Begriffe ersetzt werden. Ich bin der Überzeugung, dass es spätestens in 2 Generationen eine Rückbesinnnung geben wird und der allgemeine Überbegriff für diese Diszipline Heilpädagogik heissen wird.

Marie-Paule MAX
vorige Präsidentin ALPC
2.3.2011

Samsdeg, 10.November 2018